Die Entwicklung des Faraja

Die Anfänge

Dr. Minja studierte Medizin am Bugando Medical Center in Mwanza und arbeitete danach zunächst 10 Jahre in einem staatlichen Krankenhaus in Marangu. Dort machte er die Erfahrung, dass sich die Versorgung von Patienten auch in dringenden Fällen stark verzögerte, da Entscheidungen von mehreren Ärzten und seinen Vorgesetzten abgesegnet werden mussten. Dies und die geringe medizinische Ausstattung gaben ihm das Gefühl die Patienten nicht bestmöglich versorgen zu können. Daher entschloss er sich nicht mehr in einem staatlichen Krankenhaus zu arbeiten. Eine zeitlang lebte er mit seiner Familie von der Landwirtschaft in Marangu, bevor er sich im Jahr 2000 mit der Gründung des Faraja Health Care Centers wieder der Medizin zuwandte. 

Mit diesem privatem Health Center wollte er insbesondere den Zugang der ländlichen Bevölkerung in der Kilimanjaro Region zu medizinischer Versorgung verbessern. Dabei war es ihm wichtig stets alle Möglichkeiten für eine qualitativ hochwertige Versorgung zu nutzen und die Patienten mit Respekt und der erforderlichen Zeit zu behandeln. Er begann mit lediglich zwei Zimmern, einer kleinen Apotheke und einem Labor, in dem nur einfache Tests durchgeführt werden konnten. 

Von Anfang an war der Andrang an Patienten sehr groß, wodurch es Dr. Minja möglich wurde nach und nach das Center zu erweitern. Da sie keine medizinische Ausstattung kaufen konnten, bauten er und seine Mitarbeiter selbst einfache Geräte, wie etwa eine OP-Lampe und einen drehbaren Behandlungsstuhl. Zur Stromversorgung benutzten sie einen alten Generator für den sie ein Kühlungssystem bauten. Die Wasserversorgung wurde schließlich durch unterirdische Wassertanks deutlich erleichtert. 

Trotz des großen Patientenandrang gestaltete sich die Finanzierung schwierig, da viele der Patienten kaum in der Lage sind die Behandlungskosten zu bezahlen. Nur die wenigsten Patienten verfügen über eine Krankenversicherung beim "National Health Insurance Fund". Hinzu kommt, dass diese nur sehr geringe Preise für die verschiedenen Behandlungen bezahlt, die nur selten die tatsächlichen Kosten abdecken. Daher muss Dr. Minja ständig für ein Gleichgewicht zwischen bezahlbaren Preisen und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Krankenhauses sorgen.

Die selbstgebaute OP-Lampe
Die selbstgebaute OP-Lampe
Der Generator
Der Generator

Vom Health Center zum Krankenhaus

Aufgrund der großen Anzahl an Patienten und der Notwendigkeit von umfangreicheren Behandlungen, baute Dr. Minja ein größeres Center mit Zimmern zur stationären Aufnahme, mehr Behandlungszimmern, einem Kreißsaal und einer größeren Apotheke. Zudem stellte er weiteres Personal ein. Der Patientenandrang wuchs auf ca. 90-100 Patienten täglich. Diese kamen nicht nur aus der Kilimanjaro Region, sondern auch aus Arusha, Tanga, anderen Regionen Tansanias, sowie aus dem Nachbarstaat Kenia.

 

Neben der bedeutsamen Lage, spielt auch der gute Ruf als Arzt von Dr. Minja dabei eine entscheidende Rolle. Der stationäre Bereich des Krankenhauses umfasste 25 Betten, darunter drei für Kinder, ein Privatzimmer und drei Betten auf der Geburtenstation. Neben Dr. Minja waren drei Clinical Officer für die Diagnosenstellung und Behandlungsanordnungen zuständig. Zudem waren im Faraja Health Center 8 Krankenschwestern und -pfleger angestellt. Zwei Sprechzimmer standen für die Untersuchung der Patienten zur Verfügung. Mehr Infos zum Alltag im Faraja finden sie hier.


Der große Neubau

Da auch viele schwerverletzte und schwer kranke Patienten Hilfe im Faraja Health Care suchten, geriet das Faraja oft an seine Grenzen und musste viele Patienten an andere Krankenhäuser überweisen. Da diese jedoch ca. eine Stunde entfernt liegen, starben viele Patienten bereits vorher im Faraja.

Im Jahr 2010 begann Dr. Minja daher mit dem Bau eines neuen dreistöckigen Krankenhauses direkt neben dem alten Gebäude. Dieses soll dem großen Patientenandrang gerechter werden und neue intensivere Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Das Krankenhaus wurde 2017 fertiggestellt und Ende 2017 erfolgte der Umzug in den Neubau. 

Zurzeit stehen bereits 60 Betten zur stationären Aufnahme zur Verfügung. Zudem gibt es zwei modern ausgestattete OP-Säle, eine Überwachungsstation für Intensivpatienten und einen großen Kreißsaal mit der Möglichkeit einen Kaiserschnitt durchzuführen. Auch alle anderen Bereiche werden nach und nach modernisiert.

Zum Personal zählen inzwischen 3 Ärzte, 2 Ärzte in Teilzeit, 4 Clinical Officer und 20 Krankenschwester/-pfleger.

 

Der Bau dieses Krankenhauses war unter anderem nur durch zahlreiche materielle und finanzielle Spenden aus Deutschland und den USA möglich. Eine staatliche Finanzierungshilfe gab es nicht.